Feldbegehung der alten Vöhrumer Dorfstette
Von Thomas Budde M.A., Archäologe
Bericht über die Veranstaltung „Archäologische Feldbegehung auf der alten Vöhrumschen Dorfstette“ am 10. März 2024
Zu der Veranstaltung des Heimat- und Kulturvereins Vöhrum-Eixe-Landwehr e.V. unter Leitung des Peiner Archäologen Thomas Budde fanden sich gut 30 Teilnehmer im Bürgerhaus „Alte Pfarrei“ ein. Es erfolgte zunächst eine Einführung in das Thema Dorfwüstungen. Aufgrund eines Bevölkerungsrückganges, Agrarkrisen, Zusammenlegungen, und der Landflucht, sprich Abwanderung in die Städte, ging im ausgehenden Mittelalter, vor gut 500 Jahren, in unserer Region mindestens jedes zweite Dorf unter, fiel wüst. Ausgrabungen finden in den alten Dorfstellen nur statt, wenn es Erdarbeiten gibt, und sind bisher nur selten im Peiner Land durchgeführt worden, zuletzt im Bereich des „Dorfes Peine“ in der Südstadt. Wichtige Erkenntnisse lassen sich aber schon durch Feldbegehungen gewinnen.
T. Budde erläutert anhand von Karten die alte Dorfstette in der Feldmark Vöhrum
Das trifft auch auf die „Alte Vöhrumsche Dorfstette“ zu. Laut historischen Flurkartenkartenhinweisen, früheren Feldbegehungen und Luftbildern erstreckt sich diese Wüstung auf dem Südhang der Landgrabenniederung, direkt nördlich der heutigen Ortslage Vöhrum-Landwehr, auf einen Bereich von bis zu 400 Metern Länge. Nachdem der Archäologe in der Alten Pfarrei typisches Fundmaterial vorgestellt hatte, waren die Teilnehmer gut für die Begehung gerüstet. Der Acker war gut abgeregnet und bis auf ein Wiesenstück hervorragend begehbar, was bei den früheren Begehungen in dieser Form nie der Fall gewesen ist.
Dr. Ingo Reinhardt und Thomas Budde beschreiben den Teilnehmern wo die Feldbegehung stattfindet
Daher kehrten die Teilnehmer nach knapp zwei Stunden mit zahlreichen Funden in die Alte Pfarrei zurück, weit über 2000 Stücken, die auf den Tischen ausgebreitet wurden und nach und nach vom Archäologen ausgewertet und bestimmt wurden. Es stellte sich heraus, dass davon immerhin knapp 1200 Stücke archäologisch relevant sind, d. h. mit der alten Dorfstette in Zusammenhang stehen. Die bisherige Fundausbeute von dieser Wüstung wurde somit mehr als verdoppelt. Erstreckung und Zeitstellung des Dorfes untergegangenen Dorfes können Dank dieser Begehung nun sicher bestimmt werden. Es fällt auf, dass allein gut 617 aufgelesene Keramikscherben aus dem Spätmittelalter stammen, d. h. der Zeit von 1200 bis 1500. Dies ist klar der Siedlungsschwerpunkt
Anhand von Funden anderer Feldbegehungen und archäologischen Sammlungen wurden mögliche Funde erläutert
Nach einer kurzen Einweisung und Definition des Suchgebietes wurde die Fundsuche begonnen.
134 Stücke gehören zur älteren Irdenware des frühen bis hohen Mittelalters, d. h. ca. 800 oder 900 bis 1200. Wir wissen nun sicher: Das Dorf muss im 9. Jahrhundert gegründet worden sein. Dies ist typisch für den Peiner Nordkreis, während einige Wüstungen im Südkreis und auch das Dorf Peine noch in die germanische Zeit, vor 800, zurückreichen. Am Ostrand der Fläche, auf dem Wiesenstück, wo Maulwurfshügel abgesucht wurden, überwogen alte Scherben, im Westen jüngere. Dies zeigt, dass das Dorf von Osten nach Westen gewachsen sein muss.
Fotos Fundstücke und Funderläuterung
Bemerkenswert ist auch die Ausbeute von 60 alten Eisenschlacken und Eisenverhüttungsresten. Sie fanden sich mehr im Westen, aber auch in der Mitte der Dorfstelle. Die örtliche Eisengewinnung aus dem Raseneisenstein der Fuhseniederung war zwar bekannt, aber erst durch die jetzige Begehung lässt sie sich klar mit der alten Vöhrumschen Dorfstette in Verbindung bringen. Frühneuzeitliche Scherben aus dem 16. Jh., der mutmaßlich letzten Siedlungsphase, korrodierte Eisengegenstände, bearbeitete Steine, Herd- und Pflastersteine sowie Dachziegel- und Backsteinfragmete komplettieren das Fundbild. Urkundlich werden im späten Mittelalter drei Keimzellen Vöhrums erwähnt: „Kirchvorden“, „Lutteken Vorden“ und „Groten Vorden“. Die Alte Dorfstette wird seit jeher mit dem mutmaßlich älteren Groß Vöhrum in Verbindung gebracht. Als sicher kann dies jedoch nicht gelten. Vor allem mangels Ausgrabungen im Altdorf von Vöhrum gibt es noch viel zu klären.
Text: Thomas Budde M.A., Archäologe,
Tel. 05177- 985 345
Quelle: Niedersächsisches LandesarchivInfos des OrtsratesDurch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen
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