Zeitungsartikel April 2021
Peiner Allgemeine Zeitung, PAZ, April 2021
Freitag, 30. April 2021
Kann man ohne Glauben leben?
Von Dirk Hölterhoff, Pastor in Vöhrum-Eixe-Röhrse
Die Frage ist doch seit 200 Jahren, spätestens seit der Aufklärung beantwortet. Ja, man kann. Es geht auch ohne Gott und ohne Kirche. Aktuelle Umfragen scheinen das zu bestätigen: Nur noch 55% der Deutschen glauben an Gott. Im Westen sind es 63%, im Osten 26%. Kann man ohne Glauben leben? Die Frage gewinnt an Bedeutung angesichts der Bedrohung durch das Virus, der vielen Menschen, die einsam sterben mussten, der Freunde und Nachbarn, die sich infiziert haben, der Angst, es kann jederzeit einen meiner Liebsten treffen, oder mich selbst. Ein Krankenhausseelsorger sagt, das Trostbedürfnis sei gewaltig. Viele scheuen zwar zunächst christliche Rituale, aber sie seien froh, wenn einer bei ihnen bleibt, mal schweigend, mal mit einem Psalm oder einem Gebet oder auch einem Segen.“ Ich gebe ihnen, was sie sich selbst nicht geben können.“ Kann der Mensch ohne Glauben leben? Die Kirchenkrisen der letzten Jahre haben gezeigt, der Mensch braucht keinen Glauben, der ihn kleinmacht, bevormundet, seiner Freiheit beraubt. Die große Krise der Pandemie zeigt: es fehlt jetzt ein anderer Glaube, einer, der uns in der Gefahr trägt, erhebt, tröstet und leitet. Dieser Glaube ist kein Für-wahr-halten von Wundern. Er ist ein Vertrauen auf etwas, das größer ist als wir. Martin Luther sagte es vor 500 Jahren so: „Woran du dein Herz hängst, worauf du dich verlässt, das ist dein Gott.“ Luther meinte, jeder brauche einen Glauben, auf dem er sein Leben gründet, der Halt gibt, auf den man sich verlassen kann. Dass Halt gesucht wird, merken sie bei der Corona-Hotline. Täglich rufen 10 000 Menschen an. Die verantwortliche Ärztin sagt, das nur die wenigsten medizinische Fragen haben, die meisten suchen Beistand. Gleiches hören wir von der Telefonseelsorge. Die Zahl der Anrufer hat sich in der Pandemie verdreifacht. Kann der Mensch ohne Glauben leben? Nein! Zwar sind wir heute imstande Glauben und Wissen zu versöhnen. Doch die Reichweite unseres Wissens bleibt beschränkt. Mit Wissen allein lässt sich kein Trost spenden und kein Vertrauen schaffen. Um die Gegenwart zu ertragen und die Zukunft zu gestalten, brauchen wir eine Vision, eine Hoffnung. Worauf? Dass es etwas gibt, das über allem, vor allem und nach allem gilt, dem ich mich bedingungslos anvertrauen kann, bei dem ich mich in der größten Not bergen kann. Diese Kraftquelle nennen wir Gott.
Mittwoch, 28. April 2021
Polizei verfolgt flüchtenden Fahrer
Vöhrum. Die Polizei wollte am Dienstag gegen 18 Uhr am Vöhrumer Bahnhof ein dunkles Peiner Auto anhalten. Der Fahrer aber trat aufs Gas und konnte die Polizei abhängen. Wer Angaben zu Pkw oder Fahrer machen kann, wird gebeten, sich bei unter Telefon
(0 51 71) 99 90 zu melden.
Donnerstag, 22. April 2021
Straßenausbau in Neubaugebiet: Stadt Peine klagt gegen Baufirma
Verwaltung fordert Schadensersatz von Unternehmen – Vöhrumer Anwohner warten seit Jahren auf fertige Straßen
Von Mara-Ann Meeuw
Unfertige Straßen und provisorische Auffahrten im Vöhrumer Neubaugebiet: Noch in diesem Jahr könnte es vorangehen, denn die Stadt will die Straßen nun von einer anderen Firma fertigstellen lassen.foto: Ralf Büchler
Vöhrum. Der Kontrast könnte nicht deutlicher sein: Die Häuser sind neu und schick, die Auffahrten und Zäune dagegen nur provisorisch. Hausbesitzer im Vöhrumer Neubaugebiet „nördlich Hainwaldweg“ können ihre Grundstücke nicht fertig stellen. Denn seit drei Jahren weigert sich die beauftragte Baufirma, ihre Arbeit zu Ende zu bringen. Jetzt hat die Stadt Peine ihre Anwälte eingeschaltet.
Das Unternehmen Beton- und Monierbau mit Sitz in Nordhorn ist 2016 beauftragt worden, das Neubaugebiet für eine Bebauung vorzubereiten und die Straßen auszubauen. Zwei Jahre lang sei sie ihren vertraglich festgehaltenen Pflichten nachgekommen, bevor es 2018 zum Baustopp kam, erklärt die Stadt auf PAZ-Anfrage. Bis heute wurden die Straßen nicht fertiggestellt. Gossen und Borde fehlen, ebenso die endgültige Pflasteroberfläche für die Straßen. „Trotz mehrmaliger Aufforderungen und Fristsetzungen wurde die Ausführung des Straßenendausbaus seitens der Baufirma verweigert“, sagt Petra Neumann, Sprecherin der Stadt Peine.
Die Stadt schaltete daraufhin ihre Anwälte ein. Die Kanzlei Bbt aus Hannover hat jetzt der Baufirma im Namen der Stadt wegen „endgültiger Erfüllungsverweigerung mit sofortiger Wirkung gekündigt“, heißt es in einer Ratsvorlage. Doch wieso musste es zu diesem drastischen Schritt kommen?
Friedrich Quellmelz, Geschäftsführer und Sprecher der Firma Beton- und Monierbau sagt dazu: „Wir sollten Leistungen erbringen, die nicht im Vertrag festgehalten wurden und konnten keine Einigung finden.“ Die Abwicklung der Finanzierung dieser außervertraglichen Forderungen sei Kern der Probleme gewesen. Die Stadt widerspricht: „Die Firma wollte von den vertraglich bindenden Angebotspreisen abweichen und unbegründet Mehrkosten geltend machen.“ Darüber sei der Rechtsstreit entstanden.
Die Bewohner des Neubaugebiets werden mittlerweile ungeduldig. „Wir müssen auf die Straßen warten, bevor wir unsere Grundstücke fertig stellen können“, bemängelt ein Anwohner. Denn erst wenn die endgültige Straßenoberfläche hergestellt ist, steht fest wie hoch die Straße sein wird. Und diese Höhe bestimmt dann letztlich auch, wie hoch beispielsweise Zäune werden dürfen. Auch Höfe und Auffahrten zu Grundstücken konnten deshalb bislang nicht fertig gestellt werden.
„Wir haben zwar Glück, dass die Straßen für die Baufahrzeuge asphaltiert wurden, aber wir warten alle darauf, unsere Garageneinfahrten und Grundstücksbegrenzungen fertigstellen zu können“, sagt Maik Meyer, Mitglied im Vöhrumer Ortsrat und selbst Hausbesitzer im Neubaugebiet.
Damit das endlich geschehen kann, sucht die Stadt Peine jetzt nach einer neuen Firma, die die ausstehenden Arbeiten erledigen kann. Planmäßig soll der Bau der Bordsteine und Gossen und die endgültige Pflasterung der Straßen im Juni beginnen und dann abschnittsweise und in Abstimmung mit den Anliegern erfolgen. Die Stadt Peine rechnet allerdings mit höheren Kosten für diese letzten Arbeiten, denn in den vergangenen Jahren sind die Baupreise gestiegen.
„Auf die Anlieger kommen keine Kosten zu“, versichert Petra Neumann. Vielmehr wolle die Stadt Peine nach Fertigstellung des Projekts Schadensersatzforderungen gegenüber der Baufirma Beton- und Monierbau durchsetzen. Durch die rechtliche Beratung, zusätzliche Baukosten und Ingenieurkosten musste die Stadt Peine bereits 250 000 Euro mehr als geplant für das Neubaugebiet ausgeben.
Montag, 19. April 2021
Jörg Niebuhr: „Weiße Hose, rosa Jackett – das war echt gewöhnungsbedürftig“
Früherer Bundesliga-Turner aus Vöhrum ist als Kampfrichter international unterwegs – Sport hat sich auf höherer Ebene rasant entwickelt
Von Jürgen Hansen
Jörg Niebuhr mit gesammelten Utensilien zahlreicher Wettbewerbe. Kl. Bild: Niebuhr als Turner in Aktion im Jahr 1990. Das Bild entstand in der BBZ-Halle in Vöhrum beim Kampf um die Deutsche Mannschafts-Meisterschaft.Fotos: Jürgen Hansen/Christian Bierwagen
Vöhrum. An die Sommer-Universiade 2015 im südkoreanischen Gwangju erinnert sich Jörg Niebuhr schmunzelnd. „Wettkampfrichter sind normal im gedeckten Anzug gekleidet, in Gwangju mussten wir eine weiße Hose und dazu ein rosa Jackett tragen. Das war echt gewöhnungsbedürftig“, erläutert der Vöhrumer seine Ausstaffierung bei den Studenten-Weltsport-Spielen 2015. Für ihn war es eine von vielen Sport-Großveranstaltungen, bei denen er als Turn-Kampfrichter zum Einsatz kam.
Auch während seiner aktiven Karriere hat es der 56-Jährige wie kaum ein anderer Turner des Kreises Peine weit gebracht. So nahm er an Länderkämpfen teil und turnte viele Jahre für den TK Hannover in der Bundesliga.
Seine einstigen Paradedisziplinen Ringe und Boden hat Niebuhr schon lange nicht mehr geturnt. „Einen Handstand am Barren kriege ich noch hin, aber bis auf ab und zu Gymnastik und Krafttraining machen, ist es das für mich in Sachen Sport“, betont der Umweltschutz-Techniker, der einst mit Weltmeister Andreas Aguilar, dem Olympia-Teilnehmer Andreas Japtok und dem auch als „Turnclown“ bekannten Alfred Lefebre in der TK-Bundesliga-Mannschaft stand.
„Wir hatten viel Spaß zusammen und haben heute noch Kontakt. Es war eine schöne Zeit“, blickt Niebuhr auf seine erfolgreichen 80er-Jahre zurück, in denen er unter anderem bei den deutschen Meisterschaften an den Ringen den dritten Platz belegte und Vierter am Boden wurde. Für ganz oben auf dem Treppchen hat es für ihn auf höherer Ebene jedoch nie gereicht. „Dafür war ich als Mehrkämpfer zu schlecht, besonders am Seitpferd.“
Seine ersten Schritte auf der Matte machte er als Vierjähriger bei Arminia Vöhrum, stand dort unter den Fittichen von Werner Jaeschke. „Ihm habe ich sehr viel zu verdanken. Er kümmerte sich um alles und hat mich von allen Trainern am meisten geprägt.“ 1977 wechselte das vielversprechende Talent ins Bundes-Leistungszentrum beziehungsweise zum TK Hannover in die niedersächsische Landeshauptstadt und verbesserte dort stetig sein Können.
Einen Einschnitt in der Karriere bildete das Jahr 1990. „Es war die Zeit nach der Wende. Da traten auf einen Schlag die DDR-Turner auf den Plan. Und es waren einige Weltklasse-Athleten dabei. Die standen leistungsmäßig vor mir, ich hatte keine Chance mehr auf die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften“, erinnert sich Niebuhr, der noch bis 1993 für Hannover in der 1. Bundesliga turnte. Anschließend „tingelte“ er noch drei Jahre für 1860 Bremen in der 2. Liga. Geld hat er mit seiner Lieblingssportart, die ihn zu Glanzzeiten trainingsmäßig fast täglich fünf Stunden forderte, indes kaum verdient. „Als ich im Bundeskader stand, gab es monatlich ein paar hundert Mark Sporthilfe. Aber das war es auch schon.“
Als Kampfrichter geht Niebuhr, der mittlerweile bei rund 250 Herren-Wettkämpfen Noten verteilte, ebenfalls so gut wie leer aus. „Wir kriegen keine Aufwandsentschädigung. Nur Reise- und Unterkunftskosten werden übernommen.“
Die Lizenz für das Unparteiischen-Amt holte er sich bereits 1993, konnte daher nach seiner aktiven Karriere fast nahtlos an den Wertungstisch wechseln – und zwar gleich in der Bundesliga. „Großartig vorbereiten brauchte ich mich nicht. Alle Regeln, Elemente und Abzüge sind mir ja bekannt.“
Für den Einsatz auf internationaler Ebene qualifizierte sich Niebuhr schnell, doch voran ging es nicht. Denn 1997 verlor er in der Öffentlichkeit kritische Worte über den damaligen Präsidenten des Welt-Turnweltverbandes (FIG). „Daraufhin wurde ich vom Chef der deutschen Kampfrichter geschasst, lag zehn Jahre für internationale Wettkämpfe auf Eis. Er sagte, den FIG-Präsidenten darf man nicht öffentlich kritisieren, höchstens intern.“ 2007 dann der „Salto rückwärts“. Niebuhr wurde quasi begnadigt und startete international als Kampfrichter durch, wertete unter anderem 2013 bei der Universiade in Kasan und 2014 bei den afrikanischen Meisterschaften und fährt nun zur Europameisterschaft (siehe Artikel oben rechts).
In der jüngeren Vergangenheit ist nicht allein ihm aufgefallen, dass sich der Turnsport auf höherer Ebene rasant entwickelt hat. „Dreifach Salto, Vierfach Schraube. So etwas läuft mittlerweile superschnell ab. Selbst für geübte Augen ist es schwer zu erkennen, wieviele Drehungen die Athleten hingelegt haben. Deswegen wurden die Wertungsaufgaben der sechs Kampfrichter geteilt. Vier sind für das Erkennen der Schwierigkeitsgrade zuständig, zwei für Punktabzüge.“
Und wie sieht es beim Thema Parteilichkeit von Kampfrichtern aus? Niebuhr räumt ein, dass – nach seinen Worten – hin und wieder „gemauschelt“ wird. „Wenn das passiert, sind größere Verschiebungen aber nicht möglich, lediglich ein, zwei Plätze liegen drin. Und früher wurde und konnte mehr als heute gemauschelt werden, denn man hat ja jetzt auf dem PC mit einem Blick die Benotungen aller Richter im Auge. Zudem werden auf höherer Ebene alle Übungen per Video aufgenommen. Die Technik sorgt dafür, dass alles nachvollziehbar ist und Vorteilsnahme auffällt.“ Vermeintliche Schummeleien hin oder her: Für Jörg Niebuhr bilden sie die große Ausnahme. „Denn wir Turner stehen zusammen – Athleten, Trainer, Wettkampfrichter. Wir sind eine große Familie. Das gilt national wie international.“
„Turnangebot schon in den Kindergärten“
Johanna Niebuhr beim Einsatz am Barren. Mädchenturnen funktioniert im Kreis Peine noch.Foto: Katrin Hoffmann
Turnen bildet innerhalb des Kreissportbundes Peine die mit deutlichem Abstand größte Fachschaft, die weitaus mehr Mitglieder als der Fußball-Bereich zählt. Die Sparte umfasst Angebote vom Mutter-Kind-Turnen über Gesundheitssport bis zur Senioren-Gymnastik.
Beim Wettkampfturnen sieht es allerdings eher mau aus. Denn die Zahl der Sportler, die Übungen an Barren, Schwebebalken und Co. beherrschen, hat spürbar abgenommen. Das weiß auch Jörg Niebuhr, der darauf verweist, dass es schwieriger als früher geworden sei, Nachwuchs zu gewinnen. „Im Kreis Peine wird ordentlich geturnt, aber Spitzensportler gibt es keine mehr, und Jungsturnen kaum noch. Beim Mädchenturnen sieht es besser aus“, sagt Niebuhr.
Er kümmert sich als Organisator des Turn-Teams Nord, in dem Spitzenturner aus Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein versammelt sind, unter anderem um die Nachwuchsförderung. Weiter arbeitet er ehrenamtlich als Trainer der Turngemeinschaft Vöhrum/Stederdorf, bei der auch seine 14-jährige Tochter Johanna trainiert, die zudem zum niedersächsischen Landeskader gehört.
Jörg Niebuhr hat festgestellt, dass immer weniger Nachwuchstalente beziehungsweise deren Eltern bereit sind, die Strapazen, auf höherer Ebene zu turnen, in Kauf zu nehmen. „Mehrmals die Woche zum Training ins Turn-Leistungszentrum Hannover zu fahren, ist sehr zeitaufwendig. Auch für die Eltern, die ja ihre Kinder mit dem Auto hin- und zurückbringen müssen. Zehnjährige Mädchen kann man schließlich nicht allein in den Zug setzen.“
Die Suche nach Talenten im Bereich der männlichen Jugend sei im Kreis Peine fast vergeblich. Denn Jungen würden sich heute im Vereinssport zumeist für Fußball entscheiden, weil es dabei unter anderem schnelle Erfolgserlebnisse gebe. Ganz anders im Turnen: „Bis man einen Vorwärtssalto am Boden beherrscht, dauert es seine Zeit.“
Im Bereich des Schulsports habe insbesondere das Geräteturnen einen zunehmend schweren Stand, betont Niebuhr. Das liege zum einen daran, dass immer weniger Kinder die Geduld zum Erlernen der Übungen mitbringen. „Außerdem gibt es nicht mehr so viele Sportlehrer wie früher, die für die Vermittlung des Geräteturnens qualifiziert sind. Dadurch sind im Unterricht andere Sportarten nach vorn gerückt.“ Um die olympische Kernsportart wieder konkurrenzfähiger zu machen, ist es für ihn nötig, die Nachwuchsförderung zu forcieren. „Meiner Meinung nach müssten sich die Turnverbände dafür einsetzen, dass bereits in den Kindergärten Turnen angeboten wird.“ jh
Erste EM: Viele Tests, wenig Atmosphäre
Sonntag startet Jörg Niebuhr zu den Turn-Europameisterschaften nach Basel. „Es ist meine erste EM als Kampfrichter, und ich freue mich darauf“, sagt er. Doch die Freude wird durch die äußeren Umstände getrübt: „Es sind keine Zuschauer in der Halle, die gewohnte Atmosphäre fehlt. Sportler, Funktionäre, Kampfrichter – alle sind in Einzelzimmern untergebracht. Sich bei einem Getränk zusammenzusetzen und sich auszutauschen – das entfällt.“ Im Vorfeld muss jeder Teilnehmer einen PCR-Test machen, während der fünf EM-Tage nochmal, und vor der Abreise ein drittes Mal. jh
Samstag, 17. April 2021
Neue Schnelltestzentren
in Vöhrum und Klein Ilsede
Tests in DGH und Mehrzweckhalle – Unterschiedliche Anmeldeverfahren
Von Dennis Nobbe
Im Dorfgemeinschaftshaus Vöhrum sollen ab Dienstag Schnelltests möglich sein.foto: Michael Lieb/Archiv
Vöhrum/Klein Ilsede. Die Zahl der Schnelltestzentren im Kreis Peine wächst weiter: Ein neues soll am kommenden Dienstag im Vöhrumer Dorfgemeinschaftshaus (DGH) den Betrieb aufnehmen, in Klein Ilsede gibt es für Bürger seit vergangenem Montag die Möglichkeit, in der Mehrzweckhalle einen Corona-Schnelltest durchführen zu lassen.
„Der Ortsrat Vöhrum-Eixe-Landwehr freut sich, dass seine Bemühungen um eine Schnelltestmöglichkeit auch in Vöhrum Erfolg hatten“, sagt Ortsbürgermeister Dirk Franz. Getestet werden soll im DGH am Hainwaldweg immer werktags von 8 bis 13 sowie 14 bis 18 Uhr. Betreiber ist die örtliche Kastanien-Apotheke. Eine Anmeldung für den Test ist erforderlich: Möglich ist diese entweder über einen QR-Code, der auf den Plakaten der Apotheke zu finden ist, oder online unter www.schnelltest-apotheke.de/apotheken/kastanien-apotheke-peine-voehrum . Wer kein Internet oder Smartphone mit QR-App hat, kann sich auch direkt in der Kastanien-Apotheke an der Kirchvordener Straße anmelden. Das Ergebnis wird schließlich im Anschluss an den Test per E-Mail mitgeteilt.
Die Mehrzweckhalle in Klein Ilsede stehe als Schnelltestzentrum zur Verfügung, da ohnehin pandemiebedingt kein Sportbetrieb möglich ist, erklärt Reinhard Burzig vom TV Klein Ilsede. Daher habe der Sportverein die Halle in Absprache mit der Verwaltung, der Firma Intaktfit zur Verfügung gestellt. Vor dem ersten Impftermin habe der TV die Kosten für eine Grundreinigung übernommen und erlasse außerdem dem DRK während der Corona-Zeit die Hallengebühr für die Blutspendetermine.
Schnelltests sind in Klein Ilsede ohne Voranmeldung möglich, bei der Anmeldung muss lediglich ein Personalausweis mitgebracht werden. Die Öffnungszeiten: Montag von 8 bis 10 Uhr, Dienstag bis Donnerstag von 15 bis 18 Uhr, Freitag von 8 bis 10 sowie von 15 bis 18 Uhr, Samstag von 9 bis 12 Uhr.
Samstag, 10. April 2021
Fahrradspezialist Heinz Rohde (77) aus Vöhrum denkt nicht ans Aufhören
Zweiradhandel und das Geschäft mit Haushaltswaren werden sehr gut angenommen – Am Anfang stand die Liebe
Von Ulrich Jaschek
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In der Fahrradwerkstatt: Heinz Rohde denkt auch in einem Alter, in dem andere schon seit Jahren in Rente sind, noch nicht an Ruhestand. 1980 wurde das neue Geschäft in der Bahnhofstraße, heute Zum Eichholz, bezogen (kl. Bild). Fotos (2): Ulrich Jaschek
Peine. „Wer rastet, der rostet!“, scheint für Heinz Rohde, Fahrradhändler und Inhaber der Vöhrumer Firma Schäfer genau jener Motivationsspruch zu sein, mit dem er sein Leben seit 77 Jahren offenbar erfolgreich gestaltet.
Aber auch eine gehörige Portion Glück habe stets dazu gehört, räumt der Kaufmann ein, der 1944 in Westpreußen geboren und mit seiner Mutter 1945 zunächst in Gifhorn strandete, in Stederdorf und „auf“ Telgte aufwuchs und nach dem Abschluss der Mittelschule eine Maurerlehre absolvierte. Er erinnert sich genau, dass er auf Empfehlung eines Kollegen 1972 erstmals bei der Firma Schäfer einkaufte.
Dabei habe er nicht nur die gewünschte Ware gefunden, sondern in der jungen Chefin auch die Liebe seines Lebens. „Nach dem Tod ihres Vaters Gottfried Schäfer, der 1928 die Firma als Schlosserei gegründet und zu einem sehr erfolgreichen Geschäft gemacht hatte, übernahm Tochter Eleonore bereits mit 18 Jahren gemeinsam mit ihrer Mutter die Nachfolge“. Den passionierten Allround-Handwerker Rohde fasziniert nicht nur der Charme der jungen Geschäftsfrau, sondern auch ihre sowohl zupackende als auch geschickte Tatkraft, mit der sie beispielsweise Ofenrohre zuschnitt oder auch Fahrräder reparierte. „1974 haben wir geheiratet“, erzählt der heutige Firmeninhaber, der damals im Schichtdienst bei VW arbeitete und in der Freizeit nicht nur sein eigenes Haus fertigstellte, sondern tatkräftig im Geschäft seiner Frau mithalf, die das Warenangebot inzwischen noch erweitert hatte. „Außerdem war ich als E-Bassist noch mit einer Band unterwegs“, fügt er hinzu und erwähnt, dass er sich während einer langwierigen Krankheit auf einer „Gitarre vom Versandhaus Quelle“ das Spielen selbst beigebracht habe.
1980 fühlt er, dass ihn sein Lebensmotto zu überfordern droht und wechselt von VW ins eheliche Unternehmen. „Bis dahin hatte ich nicht nur das Schäfer-Wohnhaus um-, sondern auch diesen Verkaufsraum hier fix und fertig neu gebaut“, sagt er und deutet um sich. Den Fahrradhandel inklusive Service als auch das Geschäft mit den Haushaltswaren hätten die Kunden sehr gut angenommen.
Auch seiner Freude am Fahrrad wegen habe er „natürlich“ keine Technik-Schulung der unterschiedlichen Fahrrad-Hersteller versäumt und kann sich bis heute auf treue Stammkundschaft verlassen – und jene sich auf ihn. Als leidenschaftlicher Radler ist Rohde noch immer viel und besonders gerne auch im Alpenraum unterwegs und weiß um die gehobenen Ansprüche der radelnden Kundschaft an Handhabung und Bequemlichkeit. Dabei kennt sich der Fahrradliebhaber nicht nur in der immer komplizierteren Feinmechanik der inzwischen auch mit elektrischem Rückenwind ausgestatteten Zweiräder aus. „Das Dekorieren beispielsweise habe ich bei meiner Frau gelernt“, sagt er lächelnd, hält dann einen Moment inne, bevor er erwähnt, dass sie vor sechs Jahren verstorben sei.
Deswegen aber das Geschäft zu schließen oder gar sich selbst ganz aufzugeben sei ihm „niemals“ in den Sinn gekommen. Weil „herumzusitzen“ für ihn noch nie eine Option gewesen sei, führe er das Geschäft „wie gewohnt mit qualitativ hochwertigem Angebot“ im üblichen Rhythmus – natürlich im Rahmen der derzeit geltenden Corona-Einschränkungen – weiter. Apropos Rhythmus: der Senior-Hobby-Bassist habe inzwischen neue Musikerkollegen in seinem touristischen Lieblingsgebiet Tirol, das er in vielen Jahren mit seiner Frau meist per Fahrrad erkundet hat, gefunden. Gemeinsame Auftritte „an wirklich tollen Auftrittsorten“ in Südtirol habe zwar die Pandemie bis jetzt verhindert. Aber: „Wer rastet, der rostet“, sagt er, stemmt ein Fahrrad in die Höhe, befestigt es in angenehmer Arbeitshöhe und greift zum Werkzeug.
Freitag, 9. April 2021
Vöhrum: Fußgängerbrücke Zur Wasserburg wird abgerissen
Baufälliges Bauwerk wird nicht ersetzt – Abriss noch in diesem Jahr – Übergang seit 2019 gesperrt
Von Mara-Ann Meeuw
Die hölzerne Fußgängerbrücke, die von der Straße Zur Wasserburg ins Naturschutzgebiet führt, wird in diesem Jahr abgerissen.foto: privat
Vöhrum. Seit über 20 Jahren gibt es in der Vöhrumer Straße Zur Wasserburg die kleine hölzerne Fußgängerbrücke, die ins Naturschutzgebiet führt. Seit zwei Jahren ist sie nun bereits mit Gittern abgesperrt. Jetzt steht fest: Die Stadt Peine wird die Brücke noch in diesem Jahr abreißen lassen.
„Wir sind vor zwanzig Jahren hergezogen und da gab es die Brücke schon“, sagt Anwohnerin Hannelore Mäkler. Wie sie sind viele Anlieger aus der Wasserburg, dem Buschweg und dem Rottenweg gerne im Naturschutzgebiet für einen Spaziergang unterwegs.“ Bis vor zwei Jahren war der einfachste Weg dorthin über die Brücke, die den Vöhrumer Bach überquert. Der Stichweg zwischen den Grundstücken, hinter denen die Brücke platziert worden war, ist gepflastert und der Überweg ist viele Jahre genutzt worden.
„Vor zwei Jahren wurde die Brücke dann abgesperrt – man sagte, wegen Baufälligkeit“ erinnert sich Mäkler. Danach wurden die seitlichen Schlupflöcher der Brücke vollständig mit großen Gittern geschlossen. „Der Unmut der Anlieger, die jetzt einen Umweg durch die Wasserburg nehmen müssen, ist einer tiefen Resignation gewichen.“ Laut Mäkler seien viele Anlieger darüber verärgert und die neu hinzugezogenen Anwohner schütteln mit dem Kopf. „Wir verlieren die Geduld und das Verständnis, dass das keiner mehr auf dem Schirm hat, was mit dieser Brücke geschehen soll“, betont die Vöhrumerin. Es sei ein unsägliches Provisorium. „Es ist ärgerlich, weil die Brücke mittlerweile einfach zugewuchert, sinnlos und in Vergessenheit geraten ist.“
Das Schicksal der Brücke ist allerdings längst entschieden. Auf Nachfrage bei der Stadt Peine erklärte Stadtsprecherin Petra Neumann: „Die Holzbrücke an einem Stichweg der Straße Zur Wasserburg, die seit 2019 gesperrt ist, soll im Verlaufe diesen Jahres, geplant ist im Sommer, abgerissen werden.“
Da in unmittelbarer Nähe, etwa 150 Meter und etwa 250 Meter weiter, zwei weitere Querungen des dort verlaufenen Grabens vorhanden seien, die Spaziergehenden auf dem Weg in Richtung des dortigen Naturschutzgebietes die Überquerung ermöglichen, wurde im Rahmen der Haushaltsplanberatungen für das Jahr 2020 entschieden, die abgängige Brücke nicht zu ersetzen. „Mir erschließt sich nicht, warum diese Entscheidung so lange gedauert hat, aber wenn die Brücke weg ist, ist die Sache wenigstens abgeschlossen“, so Mäkler.
Donnerstag, 8. April 2021
Schützengilde Vöhrum sagt Versammlung ab
Vöhrum. Die für Ende April vorgesehene Mitgliederversammlung der Schützengilde Vöhrum e.V. wird aufgrund der andauernden Einschränkungen durch die Corona Pandemie verschoben. Ein neuer Termin wird den Mitgliedern rechtzeitig mitgeteilt.
Mittwoch, 7. April 2021
Ohne Führerschein unterwegs
Symbolfoto: Die Polizei kontrollierte einen Autofahrer in Vöhrum.foto: Daniel Bockwoldt/dpa
Vöhrum. Die Polizei hat am Montagabend gegen 22.10 Uhr einen Autofahrer auf der Kirchvordener Straße in Vöhrum angehalten. Bei der Kontrolle stellten die Beamten fest, dass der 47-Jährige keine gültige Fahrerlaubnis hat. Außerdem hielt er sich nicht an die Ausgangssperre. Diese gilt derzeit im Landkreis Peine wegen der hohen Inzidenzwerte von 21 bis 5 Uhr. Die Polizei leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Fahrens ohne Erlaubnis und ein Ordnungswidrigkeiten-Verfahren wegen Verstoßes gegen die Corona-Verordnung ein.
Segnung per Livestream: Wie sehen die Konfirmationen in Peine aus?
Pastoren stellen Konzepte vor – Segnung im Freien – Zahl der Kirchgänger pro Gemeinde festgelegt
Von Nina Schacht
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Digitale Segnung: Das kommt für Pastor Dominik-Christian Rohrlack nur im Notfall in Frage. Foto: Ralf Büchler
Peine. Erst verschoben und jetzt doch wieder ungewiss: Wie wird während Corona die Konfirmation gefeiert? Gemeinsamer Kirchgang, Feiern mit der ganzen Familie, ein Tag des Zusammenseins – die Konfirmation ist eigentlich ein gemeinsamer Tag für Konfirmanden, Paten und Verwandte. Doch Corona macht den Planungen einen Strich durch die Rechnung. Pfarrer aus Peine berichten, wie die Konfirmation in diesem Jahr statt finden kann. Die Kirchengemeinden entscheiden – je nach Hygienekonzept – eigenständig, wie sie den Segnungsgottesdienst feiern. Und auch eine digitale Segnung ist nicht ausgeschlossen.
„Eine digitale Konfirmation: Das ist das Not-Not-Modell“, sagt Pastor Dominik-Christian Rohrlack von der Trinitatiskirchengemeinde, doch, je nach Corona-Lage sei das nicht ausgeschlossen. „Dann müsste der Gottesdienst über Zoom stattfinden, Eltern oder Pate könnten dem Konfirmanden die Hand auflegen, während ich den Segen spreche“, sagt Rohrlack. Doch der Pastor hofft, dass diese Variante nicht eintritt. Im Moment ist ein Gottesdienst für die 19 Konfirmanden im Freien geplant – 110 Menschen dürften nach derzeitigem Corona-Erlass am 11. und 18. April daran teilnehmen. Ein anderes Modell wäre, dass der Pastor die Konfirmanden einzeln oder mit einem weiteren Familienmitglied in der Kirche segnet und der Gottesdienst gestreamt wird. Online findet bereits der Konfirmanden-Unterricht statt.
Die Martin-Luther-Kirche in Peine trifft es gleich doppelt schwer. Aufgrund der Pandemie wurde die Konfirmation zunächst verschoben- und dann brannte es Anfang des Jahres im Innenraum der Kirche. Grund war ein technischer Defekt. Die Sanierungsarbeiten laufen und sind aufwendig, berichtet Pastor Julian Bergau. „Das Inventar der Kirche musste aus der Kirche geräumt werden, derzeit wird die Orgel ausgebaut“, so der Pastor. „Wir hatten zwar Glück im Unglück“, sagt Bergau, doch die starke Ruß- und Rauchentwicklung habe doch einen erheblichen Schaden angerichtet. Die Kirche sei nicht nutzbar – wie lange noch, ist ungewiss. Doch die Gemeinde bekam Unterstützung. Die Konfirmation des Jahrgangs 2020 findet an zwei Terminen in der Sankt Johannes Kirche in Telgte statt.
In engem Austausch mit den Eltern der Konfirmanden fanden die Vorbereitungen für die Segnung statt. „Das ist eine sehr unwägbare Situation, wir hatten uns das alles anders erhofft“, so Bergau. Sollten Gottesdienste gänzlich verboten werden – dann möchte er gemeinsam mit den Eltern über eine digitale Segnung sprechen.
In der Kirchengemeinde Vöhrum wurden dieses Jahr bereits neun Jugendliche konfirmiert. „Vor dem Gottesdienst musste ein negativer Corona-Schnelltest vorgezeigt werden“, sagt Pastorin Bettina Voß-Hölterhoff. Vor sieben Wochen trat die Pastorin ihr neues Amt in Vöhrum an. Seitdem hat sie alle Konfirmanden besucht – draußen unter Einhaltung der Hygienevorschriften. Denn der Konfirmanden-Unterricht findet per Zoom statt.
„Ich bin äußert traurig über die Situation“, sagt die Pastorin, unter den Konfirmanden könne kein Gruppengefühl mehr aufkommen. Und: Die Organisation der Konfirmation ist eine große Herausforderung: Für insgesamt 15 Konfirmanden finden fünf Gottesdienste statt. Die nächsten stehen im April, Juli und August an.
Eine digitale Konfirmation möchte die Pastorin aber nicht in Betracht ziehen. „Konfirmation ist auch eine Herzensberührung, das geht für mich nicht digital“, sagt Voß-Hölterhoff.
Große Schäden im Hainwald
durch Trockenheit und Schädlinge
Waldserie: Ein Hektar Fichtenwald ist abgestorben – Klimawandel macht Baumart zu schaffen
Von Mirja Polreich
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Die Forstgenossenschaft Vöhrum forstet im Hainwald auf. Eine große Fläche musste nach Borkenkäferbefalls gerodet werden. Kleines Foto: Dirk Bartels, Vorsitzender der Forstgenossenschaft. Fotos (3): Michael Lieb
Vöhrum. Trockenheit und Schädlinge haben im Hainwald bei Vöhrum Schäden hinterlassen. Zahlreiche Fichten sind abgestorben. Nun wird wieder aufgeforstet. Die Forstgenossenschaft Vöhrum will dabei neue Wege beschreiten. „Viele Fichten sind durch den Borkenkäfer und die Trockenheit abgestorben“, sagt Dirk Bartels, Vorsitzender der Forstgenossenschaft Vöhrum. Sie mussten gefällt werden, bevor sie erntereif waren. Insgesamt ein Hektar Fichtenwald ist so verloren gegangen.
Für die rund 60 Mitglieder der Forstgenossenschaft bedeutet das einen großen finanziellen Schaden, denn das Holz ist überwiegend minderwertig. „Die Stämme sind nicht dick genug und eignen sich nicht für Balken“, erklärt der 57-Jährige. Das Holz ist von Schädlingen befallen, unter anderem vom Borkenkäfer, der verheerende Waldschäden verursachen kann. „So ein Holz ist auf dem Markt nicht begehrt. Deshalb geht viel davon in die Industrie“, führt Bartels aus. Dann werden daraus Spanplatten oder Holzpellets zum Heizen hergestellt.
Die kahlen Flächen sollen wieder aufgeforstet werden. Die Pflanzen sind bereits bestellt, die Arbeiten sollen so schnell wie möglich beginnen, um die Frühjahrsfeuchtigkeit auszunutzen. Neu angepflanzt werden Stieleiche, Bergahorn und Vogelkirsche, die Wildform der Süßkirsche. „Die Kirschen sind ein tolles Bienenfutter“, erläutert Bartels. An den Vöhrumer Mergelkuhlen soll zudem versuchsweise eine neue Baumart angepflanzt werden, die Baumhasel. „Sie soll Trockenheit und Hitze gut vertragen“, so der Vorsitzende. Die Baumhasel auch Türkische Hasel genannt, erzeugt wertvolles Holz mit hohen Preisen und hat einen geringen Wasserbedarf. Die Anpflanzung bezahlt die Forstgenossenschaft aus eigener Tasche, Fördergelder gibt es dafür nicht.
Für die Aufforstungen beauftragt die Vöhrumer Forstgenossenschaft eine Fachfirma. „Wir haben dafür nicht die nötigen Ressourcen und das Fachwissen“, so Bartels. Ein zusätzlicher Zaun als Fressschutz soll verhindern, dass das Wild die jungen Triebe abfrisst.
Der etwa 46 Hektar große Hainwald, der sich von der Hannoverschen Heerstraße im Süden bis an den Hämelerwalder Ortsrand im Norden erstreckt und im Osten von der Bahnlinie sowie im Westen von der alten Bahntrasse begrenzt wird, ist aufgeteilt in mehrere Genossenschaftsforsten. Neben Vöhrum halten auch Schwicheldt, Rosenthal, Stedum, Adenstedt, Bierbergen und Röhrse Anteile. Zudem gibt es Privatanteile und drei Waldstücke, die den Rittergütern Schwicheldt, Rosenthal und Equord zugeordnet sind.
Die Böden des Hainwalds sind überwiegend lehmig und staunass. Eichen gedeihen dort gut, normalweise auch Fichten. Aber: „In sehr nassen Jahren kippen die Fichten oft um, da ihre Wurzeln flach sind. Und im vergangenen Jahr reichte die Bodenfeuchtigkeit für die Fichten nicht mehr aus“, so Bartels. Die Fichten sind nicht die Einzigen, die dem Klimawandel zum Opfer gefallen sind. Verschwunden ist auch ein kleiner mit Erlen umwachsener Teich. Dort, wo früher die Vöhrumer ihren Lehm für den Hausbau gewannen, ist nun kein Wasser mehr zu finden.
