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Schnurren der Junggesellen

 

Es ist Fastnachtszeit und auch in diesem Jahr gehen die Junggesellen, unterstützt von ein paar Altgesellen und dem Spielmannszug, durchs Dorf und bessern die manchmal maue Kasse auf. Natürlich geht es nicht nur darum mit einer Sammeldose in der Hand in phantasievollen Kostümen und Maskierungen die Mitbürger um eine kleine Unterstützung zu bitten. Auch allerlei leckere Lebensmittel und Getränke werden gerne genommen. Deshalb heißt diese Tradition auch in anderen Ortschaften "Eiersammeln". Überall im Dorf werden wir ihnen begegnen, auf den Haupt- und Nebenstraßen. Auch ist es Tradition, dass sie zum Aufwärmen manchem Bekannten einen Besuch in der guten Stube abstatten, auf ein Bierchen oder Schnäpschen, bevor es wieder hinaus in die Kälte geht. Der Spielmannszug und seine Präsenz nimmt manchem Passanten die Furcht und erhöht wohl auch die Bereitschaft das Klimpern in der Dose zu vervielfachen. Viele Generationen von Vöhrumer Junggesellen halten diese im Dorf beliebte Tradition aufrecht und die Vöhrumer erfreuen sich an den urigen Gestalten die von früh morgens bis Abends durch die Straßen ziehen und an mancher Haustür klingeln. Am Abend finden alle wieder zusammen und feiern sich und ihre Art der Fastnacht. Siehe auch in der Fotogalerie: Vöhrumer Geschichte - Schnurren der Junggesellen und in einem weiteren Artikel von Adolf Cordes: Schnurren der Junggesellen vor 50 Jahren

 

Im folgenden Artikel aus der im Jahre 2000 erschienenden Junggesellenchronik erfahren Sie die  interessante Geschichte zu diesem alten Brauch.

 

Das Schnurren

Am ersten Sonnabend im Februar ziehen die Junggesellen von Haus zu Haus, um Eier, Wurst und Geld für das abendliche gemeinsame Essen zu sammeln: „Saison­beginn“!

In diesem von der Junggesellschaft geübten Brauch lebt die Jahrhunderte alte Tradi­tion der Fastnacht, des „Faslowend“ weiter.

Es wird davon ausgegan­gen, daß dieser Brauch seinen Ursprung in der Zeit hatte, als auch in unserem Raum aus­schließlich der katholi­sche Glaube gelehrt wurde. Insoweit ist eine Verwandtschaft mit dem Karneval oder Fasching unverkennbar.

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Das Schnurren 1928, links der Ziehharmonikaspieler, der "Treckebeuel"

 

Der gemeinsame Ur­sprung dieser Feier war das Verlangen, vor Be­ginn der früher kirchlich bestimmten Fastenzeit, also 40 Tage vor Ostern, noch mal ausgelassen „draufloszuleben“.

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Schnurren im Jahr 1937 bei der Gaststätte Deneke "Deutsches Haus". Die verkleideten Junggesellen mir dem Ergebnis ihrer Arbeit. Zu erkennen sind Fritz Heuer, Helmut Munzel, Heinrich Bode, Ewald Werthmann, Gustav Borchfeldt, Walter Horn, Hermann Thiel und Willi Klusmann.

 

Früher trafen sich an diesem Tage die älteren männlichen Einwohner im Dorfkrug, um Angelegenheiten des Dorfes zu besprechen.

Währenddessen zogen die „Junggesellen“, angeführt von einem „Treckebeuel“ – Spieler (Ziehharmonikaspieler), von Hof zu Hof, um Würste und Eier zu sammeln. Diese wurden dann abends gemeinsam mit den im Dorfkrug versammelten „Alten“ verzehrt.

In unserem Dorf ist von den Fastnachtsbräuchen nur das „Schnurren“ geblieben.

Das erste Schnurren der Nachkriegszeit fand am Montag, dem 21. Februar 1949 statt.

Morgens um 9 Uhr zogen eine Anzahl lustig verkleideter Junggesellen mit zwei oder drei Musikern los. Mit Schuhcreme waren die Gesichter geschwärzt. Es ging durch das ganze Dorf, welches damals ca. 3.500 Einwohner hatte. Fast kein Haus wurde aus­gelassen. Überwiegend wurden Eier und Würste gesammelt. Geld gab es nicht, da dieses aufgrund der Währungsreform am 20. Juni 1948 noch knapp war.

Die Musiker marschierten vorneweg und die Junggesellen mit einem Kinderwagen für die Eier und einem Bollerwagen für die Würste hinterher.

In der damaligen Konservenfabrik, der heutigen Volksbank, wurde den Junggesellen eine große Konservendose überreicht, allerdings ohne Beschriftung. In der freudigen Erwartung es befänden sich saure Gurken darin, wurden die Gesichter beim Öffnen immer länger: In der Konservendose befanden sich die allseits „beliebten“ und be­kannten roten Rüben!

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Die Junggesellen des Schnurrens im Jahr 1951

 

Gegen 15 Uhr waren alle wieder in der Gastwirtschaft „Deutsche Eiche“ bei Gustav Ernst versammelt. Es begann das große „Brutzeln“. In der Küche hatte seine Mutter, von den alten Vöhrumern „Swine Minna“ (Erna Ernst, geb. Klages) genannt, das Ge­sammelte zubereitet. Die Junggesellen versuchten abends alles zu verzeh­ren, was, wie auch später, meistens nicht gelang. Vor den riesengroßen Bratpfannen mit Spiegel­eiern mußten selbst die jungen und „hartgesotte­nen“ Junggesellen pas­sen. Die übriggebliebenen Eier wurden schließlich verkauft.

1970 mußte das Schnurren entgegen dem alten Brauch leider ohne Musik stattfin­den, da es den Junggesellen unmöglich war eine Kapelle aufzutreiben. Die Jungge­sellschaft war nämlich damals, wie heute, auf die Einnahmen des Schnurrens ange­wiesen. Dennoch fanden sich ca. 15 Junggesellen ein, um sammeln zu gehen.

Seit Februar 1976 findet das Schnurren zudem ganztägig statt.

Heute treffen sich die Junggesellen immer noch am ersten Sonnabend im Februar, um in den verschiedensten und ausgefallensten Verkleidungen durch das Dorf zu ziehen. Vorweg der Spielmannzug in ebenso lustigen und dekorativen Verkleidun­gen.

Bei Frostwetter friert den Trompetern oftmals das Mundstück zu.

Wie jeher  werden auch hierbei  Eier, Wurst und Geld gesammelt. Hierbei wurden von dem besten Junggesellen schon mal über 600,- DM gesammelt. Auf der anderen Seite haben zwei sammelnde Junggesellen auch schon mal zusammen den Tag mit 2,04 DM beendet.

Auch kam im Laufe der Zeit allerhand „Hochprozentiges“ hinzu.

Schon traditionell wird an „Putzer`s Ecke“ (Kreu­zung Pelikanstraße / Schwicheldter Straße) bei Freya Müller eine kleine Pause eingelegt, um „neue Kraft zu tanken“.

Schnurren_2001

Schnurren im Jahr 2001 an "Putzkers Ecke"

 

Das Gesammelte wird am Abend schließlich in einer der Vöhrumer Gastwirtschaften verzehrt, wobei das Gesammelte durchaus bis in so manche Morgenstunde reichte.

Auch das traditionelle Schnurren zeigt: „Wir sind, was wir waren!“

 

Verfasser: Dr. Ingo Reinhardt, Junggesellenchronik, Kapitel "Werden und Wachsen bis zur Gegenwart", 7.4 Das Schnurren, S107, Jahr 2002

 

In der Ortschronik von Vöhrum "Von Vorden nach Vöhrum" ist 1983 der Artikel erschienen, dessen Inhalte auch in die Junggesellenchronik eingeflossen sind:

Artikel der Ortschronik:

 

Über Kommentare, Beiträge, Fotos oder Dokumente zur Tradition des Schnurrens freut sich die Redaktion und die Junggesellschaft Vöhrum

 

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 13. Februar 2010 um 10:05 Uhr
 

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